Meisterwerke im MAS. Fünf Jahrhunderte Bildkultur in Antwerpen
Eröffnungs-Ausstellung des MAS in Antwerpen
17. Mai 2011 - 30. Dezember 2012
Die festliche Eröffnung des MAS | Museum aan de Stroom, des neuen Stadtmuseums von Antwerpen beginnt mit einer großen Sonderausstellung. Drei Museen der Stadt stellen für diese Ausstellung Spitzenwerke zur Verfügung: das Königliche Museum für Schöne Künste Antwerpen (KMSKA), das Museum für zeitgenössische Kunst Antwerpen (M HKA) und das Museum Plantin-Moretus/Kupferstichkabinett (MPM/PK). Die Werke alter und zeitgenössischer Kunst illustrieren die Bedeutung der Hafenstadt Antwerpen für die Entwicklung der modernen Bilderkultur. Die Ausstellung beschäftigt sich mit der Entwicklung der westlichen Bilderkultur, indem sie Spitzenwerke von Malern aus dem 16. und 17. Jahrhundert Arbeiten zeitgenössischer Künstler gegenüberstellt. Vor fünfhundert Jahren gingen von Antwerpen wichtige Impulse für die Erneuerung der Malerei aus. Und auch heute ist Antwerpen im Bereich der bildenden Kunst tonangebend.
Fünf Jahrhunderte Bilderkultur in Antwerpen
Ursprünglich beschäftigten sich bildliche Darstellungen in der westlichen Welt ausschließlich mit dem Göttlichen, dem Ungreifbaren und dem Jenseits. Gott und bedeutende Persönlichkeiten wurden mit kostbarsten Materialien verewigt. Heute werden wir von flüchtigen Bildern überspült, die Ausdruck einer zutiefst materialistischen Gesellschaft sind. Für diese Entwicklung spielte Antwerpen eine wichtige Rolle. Die flämische Malerschule, auch die Schule der „Flämischen Primitiven“ genannt, ersetzte den Hintergrund aus Blattgold durch realistische Darstellungen der wirklichen Welt, wobei aber jedes winzige Detail der Gemälde eine symbolische Bedeutung hatte. Der kritische Geist der frühen Neuzeit stellte alle festgefügten Werte in Frage. Das führte im wörtlichen wie übertragenen Sinne zu einem Bildersturm. Alte Normen gerieten ins Wanken, neue Erkenntnisse mussten erst einmal eingeordnet werden. In Hafenstädten wie Antwerpen kamen mit Schiffen bisher unbekannten naturalia aus der ganzen Welt an. Begüterte Antwerpener Bürger richteten Studien- oder Raritätenkammern ein – ein Luxus, den sich bis dato nur Fürsten erlauben konnten. So genannte Kunstkabinette, Schränkchen mit zahlreichen reich verzierten Schubladen, gehörten zu den begehrtesten Exportartikeln Antwerpens. Ein anonymer Kunstmarkt verdrängte langsam, aber sicher die persönliche Beziehung zwischen Auftraggeber und Künstler. Nunmehr entstanden neue Bildgattungen wie das Stillleben, die Landschaft und die Genremalerei. Auch die Allegorie erlebte eine Blütezeit: Historienmaler schufen mit Hilfe von Personifikationen Darstellungen eines abstrakten Bildes durch ein rational fassbares Gemälde. Durch eine Standardisierung der Produktion von Tafelbildern und Gemälden erlebte auch der Kunsthandel einen unerhörten Aufschwung. Vor allem aber durch die grafische Reproduktion erfuhren Gemälde eine weite Verbreitung. Im spanischen Weltreich hatte Antwerpen ein Monopol für den Druck von Büchern. So gelangten die Stiche massenhaft nach Übersee und bildeten das Fundament einer internationalen visuellen Kultur, wie wir sie heute kennen.
Heute, fünfhundert Jahre später, sind Künstler abermals auf der Suche nach der immanenten Bedeutung des scheinbar Zufälligen. Sie experimentieren mit Möglichkeiten, um die Grandeur des Kleinen, Unauffälligen zum Ausdruck zu bringen. In der Textur, an den Rändern des noch Sichtbaren und in geringen Abweichung, aber auch im Alltäglichen oder intensiven Erfahrungen entdecken sie Ästhetisches. Die komplexen Bilder, die heute geschaffen werden, konnten nur durch die kompromisslosen Entscheidungen ihrer Vorgänger entstehen. Die modernen Maler nähern sich ihrem Gegenstand über banale Gegebenheiten an – und schaffen genau dadurch Raum für die Reflexion. Sie machen das Kleine monumental. Minimale Bildelemente, die Widerspiegelung eines Lichteinfalls, die Schärfe eines Schlagschattens, die Kombination beispielsweise aus Perspektive und einer gemusterten Tapete schaffen eine Spannung, der man sich nicht entziehen kann. Solche Gemälde beweisen, dass man durch Kargheit mehr erreichen kann als durch Überfluss.
Die Ausstellung bringt Spitzenwerke u.a. von Abraham Ortelius, Adriaen Brouwer, Adriaen Colaert, Anne-Mie van Kerckhoven, JacobJordaens, James Ensor, Jan Fabre, Jan I Breughel, Jan van Eyck, Jean Fouquet, Joachim Patinir, Koen van den Broek, Luc Tuymans, Marlène Dumas, Narcis Tordoir, Panamarenko, Paulus Pontius, Peter Paul Rubens, Raoul de Keyser, Rogier van der Weyden und Simone Martini. Das Zentrum der Ausstellung bildet eine „Raritätenkammer“, einst das Laboratorium einer aufblühenden Wissenschaftsökonomie. Dieser Raum lädt seine Besucher zum Staunen und Nachdenken über die Welt ein.
Die Exponate stammen aus drei Antwerpener Museen:
Das Museum Plantin-Moretus/Kupferstichkabinett besitzt eine umfangreiche Sammlung an grafischen Werken, die dem Weltkulturerbe zuzurechnen sind, darunter seltene Stiche nach Pieter Bruegel d.Ä.
Aus seiner Sammlung Alte Kunst steuert das KMSKA u.a. Gemälde von Jan van Eyck und Jean Fouquet, Genregemälde von Adriaen Brouwer und allegorische Gemälde von Peter Paul Rubens zur Ausstellung bei.
Die Leihgaben des M HKA zeigen auf, dass und wie zeitgenössische Künstler abermals das Bild hinterfragen. Fotografen Charif Benhelima, Maler wie Luc Tuymans und Videokünstler wie David Claerbout kehren zur Essenz des Bildes zurück, indem sie das Detail in den Fokus stellen. Ihre Kunstwerke sind kühne Alternativen zu der Bilderflut, die die moderne Konsumgesellschaft überflutet.
Kuratoren: Nico Van Hout (KMSKA), Bart De Baere (M HKA) und Iris Kockelbergh (MPM/PK)
Weitere Details
| Veranstaltungsort | MAS I Museum am Strom |
| Adresse | Hanzestedenplaats 1 2000 Antwerpen |
| Telefon | +32 3 338 44 34 |
| Fax | fax +32 3 338 44 44 |
| mas@stad.antwerpen.be | |
| Internet | www.mas.be |
| Öffnungszeiten | Dienstag - Sonntag 10 - 17 Uhr |
| Öffnungszeiten | Dienstag - Sonntag 10 - 17 Uhr |
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